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Ein Seminar in Polen...
 

 

Im Duden liest man unter Seminar, „das; -s, -e (Übungskurs an Hochschulen; kirchl. Institut zur Ausbildung von Geistlichen …). Das klingt nicht so sehr nach lustiger Freizeitgestaltung, könnte aber für den Einen oder Anderen eine Möglichkeit zur Weiterbildung, Weiterentwicklung sein.

Man vermutet eher eine Reihe mehr oder weniger interessanter Vorträge in einem verdunkelten Raum mit einem Beamer und alten Professoren als Redner hinter einem Pult.

Das es ganz anders sein kann erlebten zwanzig Vertreter aus sechs Bundesländern in der zweiten Oktoberwoche in der Nähe von Danzig in Polen. Auf Einladung des Verbandes der polnischen Feuerwehren fand, nun schon zum 7. Mal, ein gemeinsames Seminar von Führungskräften der Jugendfeuerwehren aus Deutschland und Polen statt. Seit einigen Jahren dienen diese Treffen dem Erfahrungsaustausch und der Organisation von Jugendbegegnungen mit dem Nachbarland. Von ersten zaghaften Annäherungen vor sieben Jahren, entwickelte sich ein reger Austausch unter den Jugendfeuerwehren beider Länder. Mit einer stetig steigenden Tendenz. Kein Erholungsurlaub, sondern eine Jugendbegegnung mit einem oft eng gestrickten Programm bildet die Basis. Wettbewerbe, kulturelle Veranstaltungen aber auch Besuchen von Feuerwehren oder Besichtigungen von Städten und Sehenswürdigkeiten gehören genauso zum Programm wie der Spaß beim gemeinsamen Kennen lernen, Essen, Wandern oder dem Lagerfeuer am Abend.
Die Zeit und Aufmerksamkeit gehören bei diesen Veranstaltungen in erster Linie den Kindern und Jugendlichen. Für ausgiebige Gespräche und Erfahrungsaustausch unter den Betreuern bleibt meist nicht viel Zeit.
Hier kommt nun das Seminar für die Führungskräfte ins Spiel.
Anregungen und Mutmachen für eigene Kontaktaufnahmen nach Polen, Hinweise für die Organisation und Durchführung von gemeinsamen Zeltlagern und Fahrten, Tipps für das Umgehen miteinander, alles das kann man bei diesen Seminaren Erfahren, Erfühlen und Erleben. Am Beispiel des diesjährigen Seminars möchten wir das hier einmal vorstellen.

Feuerwache Berlin-Charlottenburg, 07.00 Uhr Morgens. Die ersten Teilnehmer der Deutschen Delegation treffen nach der Übernachtung in der Spandauer Feuerwache am vereinbarten Treffpunkt ein. Einige haben sich schon am Abend zuvor kennen gelernt, die anderen werden in Augenschein genommen. Man „beschnuppert“ sich erst einmal. Wo kommst Du her? Was machst Du dort? Wie groß ist Deine Jugendfeuerwehr? Man will ja schließlich wissen, mit wem man die nächsten Tage in der Fremde verbringen wird. Nach und nach kommen weitere Teilnehmer an. Einige kennen sich schon und freuen sich über das Wiedersehen. Andere werden wieder „beschnuppert“. Als die Gruppe vollzählig ist, werden kurz erste Informationen zur Fahrt und die Fahrzeugaufteilung besprochen. Noch mal an die die Tankstelle, und dann geht die Reise los. Mit vier Kleinbussen machen sich die 20 Teilnehmer auf den langen Weg nach Starogard Gdanski in der Nähe von Danzig.
In einer Kleinstadt ca. eine Stunde hinter der polnischen Grenze gibt es den ersten Halt. Eine polnische Teilnehmerin wird mit an Bord genommen und nach einem kurzen Imbiss geht die Fahrt weiter in Richtung Pommern. Nach mehreren Stunden Fahrt wird das Reiseziel, eine Ferienanlage an einem See erreicht. Man begrüßt sich und die Zimmer werden vergeben. Immer vier Teilnehmer teilen sich ein kleines Appartement mit Dusche und WC.
Der Leiter der polnische Delegation, Wieslaw Penk – Mitglied des Vorstandes der Polnischen Feuerwehren, eröffnete die Veranstaltung und begrüßte alle Teilnehmer. Es waren jeweils 20 Vertreter aus Deutschland und Polen angereist. Um die Sprachbarrieren zu überbrücken, waren auch vier Dolmetscher aus Polen mitangereist. Jeder Teilnehmer stellte sich kurz vor und die Dolmetscher hatten ihre erste Bewährungsprobe. Neben dem gemeinsamen Abendessen stand das gegenseitige Kennen lernen im Vordergrund. Bei einigen auflockernden Spielen in einer großen Runde gelang das auch super. Bevor der gemütliche Feierabend beginnen konnte, wurde noch die Jugendfeuerwehrarbeit in Deutschland mit Hilfe einer Präsentation vorgestellt. Schließlich sollen auch alle etwas über den anderen lernen.
Der nächste Morgen stand ganz im Zeichen der Feuerwehr. Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr konnten am Vormittag besichtig werden. Die vorhandene Technik ist nicht so umfangreich wie in Deutschland und reicht von Alt bis Neu. Für die Aufgaben der Feuerwehr jedoch ist die Ausrüstung ausreichend. Zuständig ist die Feuerwehr für den Schutz von ca. 120.000 Menschen. Bei der Freiwilligen Feuerwehr wartete ein alter Kamerad auf uns, der gut Deutsch sprach und uns von der Geschichte der Feuerwehr erzählte. Interessant ist, dass die gesamte Gegend, und damit auch ein Teil der Geschichte der Feuerwehr früher zu Deutschland gehörten. Nach der Besichtigung eines großen Betriebes, welcher neben technischem und Medizinischem Alkohol auch Wodka herstellt, ging es wieder zurück in die Feriensiedlung, wo der nächste Teil der Schulungen auf alle wartete. Schwerpunkt waren der Leistungsnachweis und Leistungsprüfungen in den polnischen und deutschen Jugendfeuerwehren. Am Nachmittag besuchte uns eine polnische Jugendfeuerwehr, welche ihre Leistungsprüfungen vor unseren Augen absolvierte. So gelang uns ein detaillierter Einblick in die Jugendarbeit der polnischen Jugendfeuerwehren.
Kultur muss sein, deshalb besichtigten wir die große Anlage der Marienburg. Zu Ende des 2.Weltkrieges zu 60 Prozent zerstört, wird die Anlage seit über 50 Jahren mühsam wieder aufgebaut. Eine imposante und interessante Führung füllte den gesamten Vormittag aus. Der Nachmittag wurde dann wieder der Jugendarbeit gewidmet. Diesmal die Wettbewerbe in der Theorie. Die Praxis folgte am nächsten Morgen. Hier waren nun wir die Schüler und die Mitglieder der Jugendfeuerwehr waren die Schiedsrichter. Bei „Spielen ohne Grenzen“, aus sprachlicher wie spielerischer Sicht, wurde in sieben gemischten Gruppen ein Wettbewerb ausgetragen. Mit viel Wasser, Feuerwehrtechnik und noch mehr Spaß verging der Vormittag wie im Fluge. Nach einer kurzen Auswertung der Wettbewerbe konnten die Leitungen der Delegationen zu einem Erfahrungsaustausch zusammen kommen. Vieles wurde angesprochen, einige Probleme konnten gelöst werden. Für die Zukunft wurden neue Ideen gesammelt und natürlich wurde auch über die erfolgreiche Zusammenarbeit der Vergangenen Jahre gesprochen. Im Anschluss daran gab es ein feierliches Abendessen, mit einigen kurzen Reden und Dankesworten an alle Teilnehmer. Einige wurden für ihre Arbeit besonders geehrt. So zum Beispiel die vier Dolmetscher, die in den vergangenen Tagen so viel zu tun hatten. Aber auch dem Ö-Team (Öffentlichkeitsarbeit) der Thüringer Jugendfeuerwehr, welches für die Dokumentation der Veranstaltung und die vielen kleinen Arbeiten im Hintergrund zuständig war, wurde gedankt. Lukas Zblewski aus Starogard Gdanski und Herbert Christ aus Thüringen bekamen für ihre Arbeit die Ehrenmedaille der Deutschen Bundesjugendleitung überreicht.
Nach einem gemütlichen aber auch schon ein wenig wehmütigen Abschiedsabend trafen sich alle am morgen zur abschließenden Auswertung und Übergabe der Seminarbescheinigungen.
Nach dem letzten gemeinsamen Mittagessen wurde noch die vom Ö-Team erstellte CD-Rom vorgestellt. Alle Seminarinhalte, Präsentationen und viele Fotos der vergangenen Tage sind so für alle Teilnehmer zusammengefasst, eine schöne Erinnerung an ein Seminar in Polen.

Ein Seminar muss also nicht eine Reihe mehr oder weniger interessanter Vorträge in einem verdunkelten Raum mit einem Beamer und alten Professoren als Redner hinter einem Pult sein.
Ein Seminar, das von den Teilnehmern so mit Leben erfüllt wird, kann auch lustige Freizeitgestaltung mit der Möglichkeit zur Weiterbildung und Weiterentwicklung sein.
Wir können es nur weiterempfehlen.

Das Ö-Team, 18.10.2006