
Zündeln unter Aufsicht |
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Alaaarm! Alaaarm! Alaaarm!
Ohrenbetäubendes Piepen hallt durch den Seminarraum der Freiwilligen
Feuerwehr in Waltershausen.
Erschrocken gucken sich 19 Kinder der evangelischen
Kita Am Schönrasen an. Pauline reißt die Arme hoch und
hält sich die Ohren zu. Das ist ja nicht auszuhalten, schreit
ein Knirps. Und dann ruft der Feuerwehrmann: Was müssen wir
jetzt tun? Raus, brüllt Konstantin zurück. Schnell wie
der Blitz sind die Kinder aus dem Zimmer. Draußen atmen sie
erleichtert auf. War ja alles nur ein Spiel. Einer erinnert sich:
Im Kindergarten haben wir das auch schon mal gemacht, so'n Probealarm.
Da mussten wir uns die Fluchtwege merken. Lehrstunden
als Regelmäßigkeit Gestern ging's schneller, sagt Herbert
Christ, Referent der Kreisjugendfeuerwehr, nachdem er sich vergewissert
hat, dass sich keiner der Knirpse vor Schreck unterm Tisch versteckt
hat. Die Kerze ist aus. Der Seminarraum leer. Tür zu. Die Kinder
gehören zur zweiten Gruppe, die an der Brandschutzerziehung
mit neuem Konzept teilnimmt. Nach einer Generalprobe am Mittwoch
waren gestern die nächsten Knirpse, die Ältesten der Kita,
dran. Solche Lehrstunden sind in den Feuerwachen eher selten. Weil
aber die Notwendigkeit besteht, sollen sie ab sofort regelmäßig
und mit verstärktem Lerneffekt abgehalten werden. Das nächste
Ziel innerhalb der Feuerwache ist die Zentrale. Hier angekommen,
drängen sich die Knirpse um einen riesengroßen Schreibtisch.
Telefone, Funkgeräte und jede Menge Papier stapeln sich hier.
Wenn's brennt, geht hier der Notruf ein, erklärt Herbert Christ
den Kindern die Bedeutung der Gerätschaften. Und fragt so ganz
nebenbei mal nach der Rufnummer für die Feuerwehr. Von 0190
über 001 bis hin zur 123 bieten die Kinder alles an, was ihnen
gerade einfällt. Irgendwann gibt es Christ dann auf und nennt
neben der 112 noch eine Eselsbrücke für die künftigen
Schulanfänger: 1 plus 1 ist zwei. So kann man sich's am besten
merken. Dann die nächste Überraschung, denn Christ schlägt
vor: Wir rufen jetzt einfach mal die Feuerwehr an. Wieder gucken
sich die Kinder verdutzt an. Was beim Notruf alles wichtig ist Pauline
traut sich. Wählt die 112. Am anderen Ende hat sie Herbert
Christ. Aber das hat das Mädchen mit dem ersten Satz vergessen.
Artig antwortet sie auf die Fragen des Feuerwehrmannes in der Leitung.
Wer da anruft, woher Pauline anruft, wo sie wohnt. Doch als der
Mann wissen will, warum sie eigentlich anruft, gerät Pauline
ins Stocken. Angestrengt nachdenkend legt sie die Stirn in Falten.
Tut sie da grad was Verbotenes? Darf sie überhaupt anrufen,
wenn doch gar nichts passiert ist? Fast den Tränen nah nagt
sie an der Unterlippe. Da kommt ihr ein Kindergartenfreund zu Hilfe:
Weil´s bei der Feuerwehr brennt, flüstert er ihr ins
Ohr. Na klar! Paulines Gesicht erhellt sich wieder. Deshalb war
sie doch gerade mit den anderen Kindern aus dem Zimmer gerannt...
Nach einer anschaulichen Einführung über die Bedeutung
des Feuers und die Arbeit der Feuerwehrleute durften die Kinder
unter Aufsicht eine Kerze anzünden. Zuvor hatten sie das Teelicht
in eine feuerfeste Form gesteckt, die Tischdecke entfernt und um
ganz sicher zu gehen, dass nichts passiert das ganze auf ein Backblech
gestellt. Jeder, der sich traute, rieb dann ein Streichholz an der
Schachtel und zündete das Teelicht an. Einige waren ganz geschickt.
Pascal gab sich ganz wie ein Profi. Zack, zack, brannte erst das
Hölzchen, dann die Kerze. Wieder anderen war die ganze Sache
gar nicht geheuer. Sabine hat noch nie in ihrem Leben ein Streichholz
angezündet. Herbert Christ musste ihr viel Mut zusprechen,
half ihr tüchtig beim Rubbeln. Als das Licht dann aufflackerte,
war das Mädchen sichtlich erleichtert: Puuh. Zweimal Fehlalarm
an einem Tag Am Ende hatte Herbert Christ gefragt, was eigentlich
passieren kann, wenn man die Kerze nicht wieder auspustet oder unbeobachtet
lässt. Dabei wandte er sich von der Kerze ab und in dem Moment
ging der Feueralarm los... Die Erinnerungen sind wieder da. Pauline
schildert aufgeregt, was eben passiert war. Dann bedankt sich der
Feuerwehrmann ganz nett bei dem Mädchen und bittet sie noch,
aufzulegen. Damit für den Fall der Fälle der nächste
Notfall gemeldet werden kann. Nach dem Telefonat gibt es Beifall
für Pauline. Sie hat ihre Sache sehr gut gemacht. Herbert Christ
wiederholt anschließend für alle noch mal, was zu beachten
ist, wenn man die Feuerwehr anruft. Und trotz fortgeschrittener
Zeit schenken ihm die Knirpse weiterhin offene Ohren. Feuerwehr-Arbeit
ist immer spannend. Wenn ein Lerneffekt dabei ist, umso besser,
sagt Christ. Gerade im Vorschulalter seien die Kinder schnell zu
begeistern. Schade, dass die Jugendfeuerwehr erst Kinder ab zehn
Jahren aufnimmt, bemerkt er in diesem Zusammenhang. Nachwuchssorgen
würden sich bei Aufhebung dieser Regelung in Luft auflösen.
Tja, und was passiert bei der Feuerwehr, wenn jemand um Hilfe gebeten
hat, will Christ nun wissen. Eine leichte Frage. Denn das hatten
die Kinder gleich zu Beginn dieser Brandschutzerziehung erleben
dürfen. Grad auf dem Weg in die Wache, raste ein Auto an den
Kindern vorbei, hielt mit quietschenden Reifen, ein Mann sprang
raus und kurz darauf toste das Feuerwehrauto mit lautem Tatü-Tata
in Richtung Innenstadt. Feueralarm im Schloss Tenneberg, erklärte
Christ. Wie sich später herausstellen sollte, ein Fehlalarm.
Quasi der erste von zweien an diesem Tag. Insgesamt 200 Einsätze
fährt die Freiwillige Wehr in Waltershausen pro Jahr, rechnet
er noch vor. Dann geht es mit den Kindern in die Umkleideräume.
Jeder hat seinen eigenen Schrank und muss darauf achten, dass seine
Sachen immer in Ordnung und für den Einsatz bereit sind, erklärt
Christ. Schutzanzüge baumeln aus den Spinden, oben im Fach
liegen die Helme, anhand denen auch das letzte Kind einen Floriansjünger
erkennen würde. Wenn ich mal groß bin, werde ich auch
Feuerwehrmann, sind nach der Kleider-Besichtigung so einige Knirpse
überzeugt. Wer so was anziehen darf, der hat Wichtiges zu tun.
Wiedersehen zum Tag der offenen Tür Zum Abschluss der Brandschutzerziehung
dürfen alle Kinder mal auf die Drehleiter klettern. Ein echtes
Feuerwehrauto zum Anfassen und eine Teilnahmeurkunde die Krönung
des Nachmittags. Und weil ein paar Knirpse traurig sind, dass die
spannenden Lehrstunden so plötzlich zu Ende sind, verrät
Christ noch: Am 1. Mai ist Tag der offenen Tür. Dann könnt
ihr noch mal überall reingucken, die Feuerwehrleute ausfragen,
die Autos ansehen. Außerdem haben wir auch eine Hüpfburg
organisiert. Es brauchte keiner weiteren Überredungskünste.
Die Kids aus Waltershausen werden da sein. Und sich im Umgang mit
offenem Feuer und in einem Notfall dank der anschaulichen Aufklärungsarbeit
sehr gut erinnern, wie sie sich verhalten müssen. Bildunterschrift:
Nicht alle Streichhölzer dürfen verwendet werden. Konstantin
sortiert aus. Zündeln unter Aufsicht: Zur Brandschutzerziehung
bei der Freiwilligen Feuerwehr in Waltershausen gehörte auch
das selbstständige Anzünden einer Kerze. Nachdem alle
Sicherheitsmaßnahmen mit den Kindern durchgesprochen waren,
durften die Knirpse Feuer machen. Mirelle konnte das schon perfekt,
Herbert Christ passte trotzdem auf, dass sich niemand verbrannte.
Fotos (4): Kreyßel Feuer in der Feuerwache! Pauline alarmierte
in der Zentrale die Kollegen beim Kerze anzünden war der Brand
ausgebrochen, jetzt musste Hilfe geholt werden. Alles natürlich
zur Probe. Aber den Kindern kam der Alarm sehr, sehr echt vor. Die
Zuckertütenkinder des evangelischen Kindergartens Am Schönrasen
in Waltershausen besuchten am Donnerstag die Feuerwehr und lernten
eine Menge hinzu.
Sylvia Kreyßel

Die Zuckertütenkinder des evangelischen Kinder-
gartens Am Schönrasen in Waltershausen
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