Chronik 2005
 
Was tun, wenn's plötzlich brennt?
 

Zündeln unter Aufsicht
 

Alaaarm! Alaaarm! Alaaarm! Ohrenbetäubendes Piepen hallt durch den Seminarraum der Freiwilligen Feuerwehr in Waltershausen.

Erschrocken gucken sich 19 Kinder der evangelischen Kita Am Schönrasen an. Pauline reißt die Arme hoch und hält sich die Ohren zu. Das ist ja nicht auszuhalten, schreit ein Knirps. Und dann ruft der Feuerwehrmann: Was müssen wir jetzt tun? Raus, brüllt Konstantin zurück. Schnell wie der Blitz sind die Kinder aus dem Zimmer. Draußen atmen sie erleichtert auf. War ja alles nur ein Spiel. Einer erinnert sich: Im Kindergarten haben wir das auch schon mal gemacht, so'n Probealarm.

Da mussten wir uns die Fluchtwege merken. Lehrstunden als Regelmäßigkeit Gestern ging's schneller, sagt Herbert Christ, Referent der Kreisjugendfeuerwehr, nachdem er sich vergewissert hat, dass sich keiner der Knirpse vor Schreck unterm Tisch versteckt hat. Die Kerze ist aus. Der Seminarraum leer. Tür zu. Die Kinder gehören zur zweiten Gruppe, die an der Brandschutzerziehung mit neuem Konzept teilnimmt. Nach einer Generalprobe am Mittwoch waren gestern die nächsten Knirpse, die Ältesten der Kita, dran. Solche Lehrstunden sind in den Feuerwachen eher selten. Weil aber die Notwendigkeit besteht, sollen sie ab sofort regelmäßig und mit verstärktem Lerneffekt abgehalten werden. Das nächste Ziel innerhalb der Feuerwache ist die Zentrale. Hier angekommen, drängen sich die Knirpse um einen riesengroßen Schreibtisch. Telefone, Funkgeräte und jede Menge Papier stapeln sich hier. Wenn's brennt, geht hier der Notruf ein, erklärt Herbert Christ den Kindern die Bedeutung der Gerätschaften. Und fragt so ganz nebenbei mal nach der Rufnummer für die Feuerwehr. Von 0190 über 001 bis hin zur 123 bieten die Kinder alles an, was ihnen gerade einfällt. Irgendwann gibt es Christ dann auf und nennt neben der 112 noch eine Eselsbrücke für die künftigen Schulanfänger: 1 plus 1 ist zwei. So kann man sich's am besten merken. Dann die nächste Überraschung, denn Christ schlägt vor: Wir rufen jetzt einfach mal die Feuerwehr an. Wieder gucken sich die Kinder verdutzt an. Was beim Notruf alles wichtig ist Pauline traut sich. Wählt die 112. Am anderen Ende hat sie Herbert Christ. Aber das hat das Mädchen mit dem ersten Satz vergessen. Artig antwortet sie auf die Fragen des Feuerwehrmannes in der Leitung. Wer da anruft, woher Pauline anruft, wo sie wohnt. Doch als der Mann wissen will, warum sie eigentlich anruft, gerät Pauline ins Stocken. Angestrengt nachdenkend legt sie die Stirn in Falten. Tut sie da grad was Verbotenes? Darf sie überhaupt anrufen, wenn doch gar nichts passiert ist? Fast den Tränen nah nagt sie an der Unterlippe. Da kommt ihr ein Kindergartenfreund zu Hilfe: Weil´s bei der Feuerwehr brennt, flüstert er ihr ins Ohr. Na klar! Paulines Gesicht erhellt sich wieder. Deshalb war sie doch gerade mit den anderen Kindern aus dem Zimmer gerannt... Nach einer anschaulichen Einführung über die Bedeutung des Feuers und die Arbeit der Feuerwehrleute durften die Kinder unter Aufsicht eine Kerze anzünden. Zuvor hatten sie das Teelicht in eine feuerfeste Form gesteckt, die Tischdecke entfernt und um ganz sicher zu gehen, dass nichts passiert das ganze auf ein Backblech gestellt. Jeder, der sich traute, rieb dann ein Streichholz an der Schachtel und zündete das Teelicht an. Einige waren ganz geschickt. Pascal gab sich ganz wie ein Profi. Zack, zack, brannte erst das Hölzchen, dann die Kerze. Wieder anderen war die ganze Sache gar nicht geheuer. Sabine hat noch nie in ihrem Leben ein Streichholz angezündet. Herbert Christ musste ihr viel Mut zusprechen, half ihr tüchtig beim Rubbeln. Als das Licht dann aufflackerte, war das Mädchen sichtlich erleichtert: Puuh. Zweimal Fehlalarm an einem Tag Am Ende hatte Herbert Christ gefragt, was eigentlich passieren kann, wenn man die Kerze nicht wieder auspustet oder unbeobachtet lässt. Dabei wandte er sich von der Kerze ab und in dem Moment ging der Feueralarm los... Die Erinnerungen sind wieder da. Pauline schildert aufgeregt, was eben passiert war. Dann bedankt sich der Feuerwehrmann ganz nett bei dem Mädchen und bittet sie noch, aufzulegen. Damit für den Fall der Fälle der nächste Notfall gemeldet werden kann. Nach dem Telefonat gibt es Beifall für Pauline. Sie hat ihre Sache sehr gut gemacht. Herbert Christ wiederholt anschließend für alle noch mal, was zu beachten ist, wenn man die Feuerwehr anruft. Und trotz fortgeschrittener Zeit schenken ihm die Knirpse weiterhin offene Ohren. Feuerwehr-Arbeit ist immer spannend. Wenn ein Lerneffekt dabei ist, umso besser, sagt Christ. Gerade im Vorschulalter seien die Kinder schnell zu begeistern. Schade, dass die Jugendfeuerwehr erst Kinder ab zehn Jahren aufnimmt, bemerkt er in diesem Zusammenhang. Nachwuchssorgen würden sich bei Aufhebung dieser Regelung in Luft auflösen. Tja, und was passiert bei der Feuerwehr, wenn jemand um Hilfe gebeten hat, will Christ nun wissen. Eine leichte Frage. Denn das hatten die Kinder gleich zu Beginn dieser Brandschutzerziehung erleben dürfen. Grad auf dem Weg in die Wache, raste ein Auto an den Kindern vorbei, hielt mit quietschenden Reifen, ein Mann sprang raus und kurz darauf toste das Feuerwehrauto mit lautem Tatü-Tata in Richtung Innenstadt. Feueralarm im Schloss Tenneberg, erklärte Christ. Wie sich später herausstellen sollte, ein Fehlalarm. Quasi der erste von zweien an diesem Tag. Insgesamt 200 Einsätze fährt die Freiwillige Wehr in Waltershausen pro Jahr, rechnet er noch vor. Dann geht es mit den Kindern in die Umkleideräume. Jeder hat seinen eigenen Schrank und muss darauf achten, dass seine Sachen immer in Ordnung und für den Einsatz bereit sind, erklärt Christ. Schutzanzüge baumeln aus den Spinden, oben im Fach liegen die Helme, anhand denen auch das letzte Kind einen Floriansjünger erkennen würde. Wenn ich mal groß bin, werde ich auch Feuerwehrmann, sind nach der Kleider-Besichtigung so einige Knirpse überzeugt. Wer so was anziehen darf, der hat Wichtiges zu tun. Wiedersehen zum Tag der offenen Tür Zum Abschluss der Brandschutzerziehung dürfen alle Kinder mal auf die Drehleiter klettern. Ein echtes Feuerwehrauto zum Anfassen und eine Teilnahmeurkunde die Krönung des Nachmittags. Und weil ein paar Knirpse traurig sind, dass die spannenden Lehrstunden so plötzlich zu Ende sind, verrät Christ noch: Am 1. Mai ist Tag der offenen Tür. Dann könnt ihr noch mal überall reingucken, die Feuerwehrleute ausfragen, die Autos ansehen. Außerdem haben wir auch eine Hüpfburg organisiert. Es brauchte keiner weiteren Überredungskünste. Die Kids aus Waltershausen werden da sein. Und sich im Umgang mit offenem Feuer und in einem Notfall dank der anschaulichen Aufklärungsarbeit sehr gut erinnern, wie sie sich verhalten müssen. Bildunterschrift: Nicht alle Streichhölzer dürfen verwendet werden. Konstantin sortiert aus. Zündeln unter Aufsicht: Zur Brandschutzerziehung bei der Freiwilligen Feuerwehr in Waltershausen gehörte auch das selbstständige Anzünden einer Kerze. Nachdem alle Sicherheitsmaßnahmen mit den Kindern durchgesprochen waren, durften die Knirpse Feuer machen. Mirelle konnte das schon perfekt, Herbert Christ passte trotzdem auf, dass sich niemand verbrannte. Fotos (4): Kreyßel Feuer in der Feuerwache! Pauline alarmierte in der Zentrale die Kollegen beim Kerze anzünden war der Brand ausgebrochen, jetzt musste Hilfe geholt werden. Alles natürlich zur Probe. Aber den Kindern kam der Alarm sehr, sehr echt vor. Die Zuckertütenkinder des evangelischen Kindergartens Am Schönrasen in Waltershausen besuchten am Donnerstag die Feuerwehr und lernten eine Menge hinzu.

Sylvia Kreyßel


Die Zuckertütenkinder des evangelischen Kinder-
gartens Am Schönrasen in Waltershausen