
Drehleiter der Kanadischen Feuerwehr |
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Mitten in den Kanadischen
Rocky Mountains befindet sich der Touristenort Jasper.
Bei dem nunmehr 4.Besuch bei unseren Verwandten wollte ich endlich
das
„Fire Departement“ mit seiner Technik kennen lernen.
Beim Aktionstag 2000 konnte ich schon einmal einen kleinen Eindruck
gewinnen.
Doch man hatte damals nur ein Fahrzeug zur Besichtigung
an das Bahnhofsgelände gefahren. Durch die relativ hohen Steuereinnahmen
des Touristenortes von den Hotels und anderen Herbergen sowie Attraktionen
konnte sich die Verwaltung ein nagelneues, schmuckes Gerätehaus
leisten.
„Greg van Tighem“, Chef der Feuerwehr empfing mich herzlich
und begann sofort mit einem Rundgang. Im Flur befinden sich hinter
einer Glaswand unzählige Ärmelaufnäher, unter anderem
auch von deutschen Feuerwehren. In der Fahrzeughalle befanden sich
5 Einsatzfahrzeuge. 3 „SMEAL“, in den USA hergestellt,
haben 350 PS. Sie wurden von der Parkverwaltung zur Verfügung
gestellt(1 Leiterfahrzeug, 1Tanker und 1 Rettungs- -und Bergungsfahrzeug).
Das Leiterfahrzeug führt über 2000l Wasser
mit sich und die Pumpe hat eine Leistung von 1750l/min. Die Leiter
kann ca. 23m ausgefahren werden. Es können außerdem bis
zu 6 Einsatzpersonen mit Beatmungsgerät Platz finden.
Der Tanker führt über 4000l Wasser und ist ähnlich
ausgestattet.
Das Rettungs- -und Bergungsfahrzeug hat Spreizer, Schneider, Lufthebekissen,
Bergungsgerät, Flussrettungsgerät (auch für Eiswasser)
und spezielle Straßenmarkierungslichter an Bord. Außerdem
befindet sich an der Frontseite eine Spezialwinde(Spill). Die beiden
anderen Fahrzeuge der Marke “SUPERIOR“ sind in Red Deer
/ Kanada in Zusammenarbeit mit den USA hergestellt. Diese, in gelb
gespritzten Fahrzeuge beinhalten eine Flaschenfüllanlage und
ebensolches Rettungs- -und Bergungsgerät wie die „SMEAL“.
Insgesamt hat diese Feuerwehr einen Flaschenbestand von 3000Stück.
Vom Personalbestand her sind 2 Personen fest eingestellt(Chef und
Stllv.). Die anderen 28 Mann sind freiwillig dabei und werden mit
Piepser verständigt. Sie müssen mindestens 1 Jahr im Ort
wohnen, dort arbeiten und brauchen die Einverständniserklärung
ihres Arbeitgebers. Eine Qualifizierung wird nicht verlangt. Diese
erhält man innerhalb eines Jahres in der Feuerwehr und kann
dann aktiv zu Einsätzen eingesetzt werden. Eine ärztliche
Tauglichkeitsuntersuchung ist jedes Jahr Pflicht. Einmal pro Woche
ist für alle ein 3-stündiges Training angesetzt. Dann
gibt es noch 2 Kurse im Jahr mit je 5 Tagen Ausbildung. Hier müssen
die Kameraden mitunter Urlaub nehmen, wo pro Tag 100 kanadische
Dollar gezahlt werden. Der jüngste Angehörige ist 22,
der älteste 52 Jahre alt. Es gibt keine Altersbegrenzung. Ältere
Kameraden werden z.B. bei Einsätzen zu Sicherungsmaßnahmen
u.ä. eingesetzt, je nach Befinden und Gesundheitszustand. Personalmangel
gibt es nicht. Als kürzlich 2 Kameraden aufhörten, kamen
nach einer Zeitungsanzeige gleich 10 Bewerber.
Im Gerätehaus befindet sich ein Schlauchtrockenturm, wo gleichzeitig
das Fitnesstraining stattfindet(Seile, Treppen, Fitnessraum).
Jugendfeuerwehren gibt es nicht! Verantwortliche machen in den Schulen
Brandschutzerziehung und sollen bei den Kindern Interessen wecken.
Die Jasper-Feuerwehr muss einen enormen Radius abdecken. Die nächst
größeren Orte sind bis zu 250km entfernt. Es geht auch
mitunter in die Berge, wenn bei Waldbränden die Zusammenarbeit
mit Feuerspringern und Helikoptern gefragt ist.
Das Funksystem wurde in den letzten Jahren durch Umsetzer auf den
Bergen gut ausgebaut. Neben Brandeinsätzen werden auch Einsätze
bei Straßen-, Wild-, Berg-, Wasser- und Eisunfällen gefahren.
Hierbei wird eng mit Polizei, Parkrangern und den Ambulanzen zusammengearbeitet.
Zurzeit wird ein Waldbrandschutzprojekt erarbeitet, das auch das
Entfernen von Fall- und Dürrholz im Nationalpark erlaubt. Dies
ist besonders wichtig, um den Ort Jasper zu schützen. In einem
Nationalpark soll normal alles so naturbelassen werden.
Die Führung endete bei den mobilen Ambulanzen, die sehr gut
ausgestattet sind.
Danach erzählte ich Greg von unserer Arbeit in der Thüringer
Jugendfeuerwehr. Zum besseren Verständnis schenkte ich Ihm
einen Kalender der Jugendfeuerwehr aus Sonneberg, wo mit Bildern
die vielen Möglichkeiten der Jugendarbeit anschaulich dargestellt
ist. Das interessierte Ihm ganz besonders, gibt es doch so etwas
in Kanada nicht, noch nicht.
Ein Ehrenteller und ein Wimpel der Thüringer Jugendfeuerwehr
wurden Ihm überreicht.
Außerdem gab es Ärmelaufnäher für die Glaswand,
eine Mütze, alte DDR-Auszeichnungen uvm. Mir wurde ein Trikot
des Feuerwehrhockeyteams, zwei Ärmelaufnäher, alte Fotos
vom Beginn 1914 und Abzeichen geschenkt.
Zum Abschluss konnte ich noch eine Bewegungsfahrt im Leitereinsatzfahrzeug
erleben. Mit einem herzlichen Dankeschön endete dieser Besuch
im „Fire Departement Jasper“.
Es wird sicherlich nicht der letzte Besuch gewesen sein, im, von
mir persönlich eingeschätzten, schönsten Land der
Erde.

Wieland Daßler
Thüringer Jugendfeuerwehr, im September 2005
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